Hallo liebe Andrea! Nun ist ein bisschen Zeit vergangen und ich will mich wie versprochen melden.
Du hattest die richtige Ahnung: Dauerlächeln die folgenden Tage 😉 und vor allem, wann immer ich mich an bestimmte Dinge erinnerte, wie z. B. meine großen Füße als Andenken an meinen Zwillingsbruder.
Ein paar Tage lang konnte ich ihn besonders stark in meiner Nähe wahrnehmen.
Durch die veränderte Perspektive auf meine Kindheit – und also auf meine Familie – hat sich die Frage „Darf ich leben/Dinge tun/mich frei und lebendig fühlen?“ ziemlich erledigt. Nicht, dass jetzt alles schwupps weg ist, aber mein Blick darauf ist ein anderer. Aktuell übe ich eine fortgeschrittenere Übung mit „Darf ich Nein sagen? Auch zum Chef und der Familie? (Na klar)“. Ich muss trotz etwas Aufregung über mich selber schmunzeln. Obwohl im Job viel Arbeit ist, ist meine vormittägliche Schockstarre herrlich weichgespült. Ich lese allen Ernstes ein Buch, wenn ich Zeit habe (oder sie mir nehme) und trinke einen Kaffee. Auf dem Sofa. Mit Genuss. Hä? 🙂
Auch meine Wahrnehmung der Familie hat sich neu ausgerichtet. Der Impuls, aus Verantwortung quasi alle Nase lang bei meiner Mutter anzurufen…ruht gerade. Mit meinem Vater bin ich neulich zu einer kleinen Faslamsparty im Dorf gegangen. Es war ein sehr entspannter Abend. Meinen Bruder hab ich auch getroffen. Das war ein sehr erstaunlicher Moment! Ich hab ihn mit völlig neuen Augen betrachtet: Er war einerseits endlich einfach nur mein jüngerer Bruder, aber andererseits ein völlig neuer, zum Teil irgendwie unbekannter Bruder. Erstaunlich. Passt aber zu meiner Erfahrung bei dir. Und noch etwas: Durch diesen veränderten Blick habe ich plötzlich auch meine neue Schwägerin ganz neu betrachtet. Während ich sonst eher zurückhaltend war, hatten wir an diesem Wochenende ein richtig nettes Gespräch, ganz zwanglos.
Und noch etwas hat sich verändert: In letzter Zeit war ich ja eher etwas im Zweifel über das Leben etc.
Mein Weltbild ist wieder deutlich gerade gerückt, was diese Dinge angeht. Auch Sinn und Zweck von doofen Sachen, auch wenn ich sie nicht verstehe. Und erstaunlicherweise fahre ich in bestimmten, früher nervigen, Situationen nicht mehr so hoch. Passiert ja nix Schlimmes.

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